<h3>Festakt zum 25-Jahr-Jubiläum im Wiener Rathaus</h3>
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<p>Wien (epdÖ) – Mit einem Festakt im Wiener Rathaus hat die „Allianz für den freien Sonntag Österreich“ am 1. Oktober ihr 25-Jahr-Jubiläum gefeiert. Gastgeber Bürgermeister Michael Ludwig konnte dazu zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, der Gewerkschaften und zivilgesellschaftlicher Organisationen begrüßen. Das Jubiläumsfest stand unter dem Motto „Demokratie braucht einen freien Sonntag!“ Die Allianz setzt sich für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags und den Erhalt gemeinsamer freier Zeit als unverzichtbaren Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein. Ihr gehören mehr als 50 Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft an.</p>
<p>Der freie Sonntag erinnere daran, dass der „Wert“ des Menschen nicht von seiner Produktivität abhänge, betonte der steirische römisch-katholische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, kirchlicher Sprecher der Allianz, in seinem Grußwort. In einer von überbordender Rasanz geprägten Zeit sei die Frage nach dem freien Sonntag aktueller denn je. „Der Mensch lebt nicht allein von Arbeit, Leistung und Erfolg. Er braucht Zeiten der Ruhe, der Besinnung, der Begegnung mit den Mitmenschen und auch für die Begegnung mit Gott, in dem alles begründet ist.“</p>
<h3>Geist: „Aufstand gegen den Turbo unserer Zeit“</h3>
<p>Als einen „wöchentlichen Aufstand gegen den Turbo unserer Zeit“ bezeichnete der Wiener Superintendent Matthias Geist im Vorfeld der Veranstaltung den Sonntag. Gerade in einer Welt ständiger Beschleunigung und Verfügbarkeit brauche es ein Gegengewicht: einen gemeinsamen Tag, der sich dem Diktat von Leistung, Konsum und Gewinn entzieht.</p>
<p>„KI-Systeme sind rund um die Uhr verfügbar. Aber der Mensch ist mehr als eine rechnende Maschine. Der gemeinsame freie Tag erinnert uns daran“, so Geist, der die Evangelische Kirche in der Allianz vertritt. Der Sonntag sei deshalb nicht bloß eine Frage der Arbeitszeit, sondern ein gesellschaftlicher Schutzraum. In allen Lebensbelangen könne viel gewonnen werden, denn: „Gerade wenn viele Menschen erschöpft und überfordert sind, ist der Sonntag eine Oase des Lebens – für Familien, Gemeinschaft, Erholung und das Auftanken der Seele.“</p>
<h3>Ludwig: Notwendige Sonntagsarbeit verdiente faire Arbeitsbedingungen</h3>
<p>Wiens Bürgermeister Michael Ludwig würdigte das Engagement des Bündnisses. Der freie Sonntag sei „mehr als eine Frage der Arbeitszeit – er ist eine Frage danach, wie wir miteinander leben wollen“. Er schaffe Zeit für Familie, Freundschaften, Sport, Kultur und Erholung. Eine besondere Rolle spielten dabei die Religionsgemeinschaften. Ludwig: „Dass Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und viele Organisationen der Zivilgesellschaft seit 25 Jahren gemeinsam für den freien Sonntag eintreten, zeigt die große gesellschaftliche Bedeutung dieses Anliegens“, so Ludwig.</p>
<p>Zugleich verwies Ludwig auf jene Berufsgruppen, für die Sonntagsarbeit notwendig ist, etwa in Krankenhäusern, bei Feuerwehr und Rettung, im öffentlichen Verkehr, in der Gastronomie oder im Kulturbereich. „Wo Sonntagsarbeit notwendig ist, verdient sie Anerkennung und faire Arbeitsbedingungen. Wo sie nicht notwendig ist, sollten wir den Sonntag als gemeinsamen freien Tag bewahren.“</p>
<p>Auch Philip Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz, betonte die Rolle des Sonntags als jenen Tag, der das „Diktat des Marktes“ unterbreche. Daran hätten auch Digitalisierung, Onlinehandel und die zunehmende Automatisierung nichts geändert. Gerade für Berufstätige werde gemeinsame Freizeit leichter möglich, wenn möglichst viele Menschen gleichzeitig frei hätten. Für diese Freiheit gelte es auch weiterhin zu kämpfen, betonte Kuhlmann.</p>